Mitte Oktober 2024
Man könnte fast meinen, wir wären auf der Jagd nach Nationalparks: eben noch im Kellerwald und dann von der Eder direkt zum nächsten, zum Hainich. Warum ist der Hainich Nationalpark? Hier wächst auf ehemaligem Militärgebiet auf 5000 Hektar die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands mit vielen seltenen Pflanzen und Tieren und das scheint für den Titel zu reichen. Na dann sehen wir uns das mal an!
Campingplätze sind in der Gegend rar. Den Platz der Probstei Zella im kühl-feuchten Werratal kennen wir von einer Werra-Paddeltour. Nach Weberstedt beim ehemaligen Infanterieschießplatz zieht es mich auch nicht (Erinnerungen an die Armeezeit). Wir wählen den Campingplatz "Palumpa-Land" am Stausee Seebach bei Niederorla. Baden darf man dort zwar nicht, das ist jetzt im Herbst aber auch gar nicht nötig.
Der bewaldete Höhenzug des Hainichs zieht sich vom Süden von Behringen, nördlich der A4 bei Eisenach, bis zum Mühlhäuser Stadtwald im Norden mit gerade einmal 25 km Länge. Höhenzug ist allerdings auch ein großes Wort, die höchste Erhebung, der Alte Berg, ist knapp an der 500-Meter-Marke gescheitert. 🙂 Alles in allem also eher eine Landschaft, die einen "in Ruhe lässt", aber gerade das kann ja auch reizvoll sein.
Wir haben uns eine Tour quer durch den Nationalpark überlegt, der nur den südlichen Teil des Hainichs umfasst. Wir starten an der Hainichbaude bei Craula. Vertraue dem Auto-Navi, das kleine Sträßchen führt zum dortigen Wanderparkplatz. Wir wandern zuerst am Craulaer Kreuz vorbei, dann über einen breiten Weg am Waldrand mit ein bisschen freiem Blick und danach durch bunten Laubwald. Dass wir direkt über den Alten Berg laufen, bemerken wir gar nicht, der ist vollständig bewaldet und bietet keinerlei Aussicht.
Auf dem Weg nach Hütscheroda könnte man sich ein bisschen an das Tunguska-Ereignis erinnert fühlen: quer über den Weg liegen umgebrochene Bäume, an denen aber keine Spuren von menschlichem Eingriff zu sehen sind. Windbruch mitten im Wald? Auch unwahrscheinlich. Wir sehen kein Sperrschild und eine Wegealternative fehlt auch. Also machen wir uns an den etwas beschwerlichen Hürdenlauf - Bewegung an frischer Luft soll ja gesund sein. 😉 Nach ein paar hundert Metern ist der Weg wieder frei und breit und - ich hab gerade nochmal nachgeschaut - in der Topokarte ist er auch als ganz normaler Weg eingezeichnet.
Von der ehemaligen Dorfstelle Heßwinkel ist nur eine kleine Jagdhütte übriggeblieben. Am Weg und auf den Wiesen stehen einige Skulpturen. Auf einen Besuch des Wildkatzengeheges haben wir keine Lust, unser Weg ist noch lang genug. In der gemütlichen Herrenhausstube in Hütschenroda können wir uns mit leckerer Thüringer Küche stärken. Wir laufen weiter über den "Wildkatzenpfad" zum Aussichtsturm Hainichblick. Leider ist die Sicht nicht sehr klar, dennoch können wir den Inselsberg auf dem Kamm des Thüringer Waldes und die Wartburg entdecken und wir sehen, wie sich die Natur das ehemalige Militär-Übungsgebiet zurückholt.
Nach einer Begegnung mit einem Damhirsch wandern wir vorbei an der Dicken Eiche. Der weitere Weg ist auf der Karte eingezeichnet und zuerst auch in der Natur vorhanden, wandelt sich aber zusehends in eine Pfadspur, die bald vollständig verschwindet. Wir wollen zum Wartburgblick und laufen ein bisschen querfeldein. Die Pfadspuren, die wie gelegentlich vermuten, sind wahrscheinlich nur Wildwechsel.
Hier und da sieht man noch Spuren von der ehemaligen militärischen Nutzung, mal ein Reifen mit russischer Beschriftung, mal Böschungen von ehemaligen Stellungen, die nicht vollständig eingeebnet wurden. Wir folgen einem alten Fahrweg, der auch wieder verschwindet, dank GPS finden wir schlussendlich den Wartburgblick mit einer großen Infotafel. Dort sind wir plötzlich wieder auf einem breiten, gepflegten Weg, dem "Welterbepfad", einem der "Thüringer Urwaldpfade". Dieser Weg endet als Sackgasse beim Wartburgblick. Merkwürdig. Über den Welterbepfad laufen wir bequem die letzten Kilometer zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Die Rundwanderung mit Abenteuereinlagen hat uns Spaß gemacht, auch wenn sie streckenweise etwas unorthodox war. Richtig gute Möglichkeiten für eine Tageswanderung als Rundweg haben wir in dem Gebiet nicht entdeckt, wären wir z. B. über Hainichlandweg und die Mallinde bei Furka vor dem Hainich gelaufen, dann hätten wir statt unserer zwei Kilometer von der Dicken Eiche zum Wartburgblick glatte zehn Kilometer über eine Forststraße zu laufen gehabt. Vielleicht sollte man im Hainich darüber nachdenken, noch ein paar wanderfreundliche Verbindungspfade anzulegen.
Trotzdem hat uns die Gegend im bunten Herbst gut gefallen und wir geben der Tour
Überlaufen ist es im Hainich allenfalls beim Baumkronenpfad, aber von dort haben wir früher schon einmal berichtet.